Läck de Söck därr, Toni!
Letzte Tage stand ich bei einem Bummel durch unsere schöne Schwanenstadt Kleve vor einer Lotto-Annahmestelle und sinnierte darüber, wie schön es wäre, die Lottozahlen schon vorher zu wissen.
Wäre das nicht geil?
Vielleicht eine Zeitung zu haben, von übermorgen oder so.
Vor längerer Zeit habe ich mal gelesen, dass eine Frau in Hamburg sechs Richtige traf, nur weil sie die Nummern, die auf den Seesäcken von sechs Matrosen standen, getippt hatte.
Jetzt haben wir in Kleve ja bald auch wieder einen richtigen Hafen. Vielleicht klappt das ja dann mit ein paar Seeleuten. (hihi)
Allerdings ließ mich dieses Thema nicht los und ich dachte darüber nach, welche Möglichkeiten im Bereich der übersinnlichen Mächte mir zur Verfügung stehen könnten, um zum Ziel zu gelangen.
Zunächst ein wenig “back in time”, als es noch das magische Auge gab.
Damit meine ich nicht ein neues Rollenspiel oder eine neue Innovation auf der Spielekonsole, sondern diese grüne Leuchte, die früher dem Radiohörer signalisierte, dass das Gerät funktionsfähig war. Zu Zeiten, als man noch Radio Luxemburg hören wollte, aber dafür ständig mit der Antenne durch die Wohnung rannte, um den bestmöglichen Empfang zu bekommen.
Als Kind starrte ich oft auf dieses magische Auge, um irgendetwas davon zu erfahren. Es war magisch – also sollte es mir verd…. nochmal irgendwas bringen. Tat es natürlich nicht, sondern war eigentlich nur grün.
Want geij vandaag es enne prüüve dütt, dann kann et gebööre, dat geij dat grüne Oog noch es te sien kregt.
Übersetzung: (Wenns Du heute mal einen über der Durst trinken tust, dann kann dat passieren, dat Du noch mal dat magische Auge zu sehen kriegen tust.)
Als nächstes fiel mir ein Unikum ein, welches Jahrzehnte auf der Klever Kirmes vertreten war, um den Menschen ihr Schicksal vorherzusagen – “Der Grosse Kaminski” .
Wer erinnert sich nicht an den “Wahrsager” mit dem interessanten Hut (den hatte er bereits in den Fünfzigern für die heutigen Harry Potter-Filme vorausgesagt) in seiner mit vielen magischen und bunten Artikeln gespickten Bretterbude?
Man setzte sich vor ihm hin und bat ihn, einen Blick in die Zukunft zu werfen und das Schicksal wahrzusagen.
Er schaute einen dann an, bis man seinem Blick ausweichen mußte – entweder aus Angst oder weil man sonst in Lachen ausgeplatzt wäre – und dann sagte er voraus, dass alles Gut wird. Somit war Kaminski der legitime Vorfahre von Nina Ruge. (grins)
Wenn man mehr wissen wollte, zum Beispiel, wie es beruflich oder in der Liebe weitergeht, dann war seine Antwort stets genau die gleiche: “Alles wird gut”.
Zu guter Letzt drückte er den neugierigen Kunden einige kopierte Seiten in die Hand, wo etwas von den Tierkreiszeichen vermerkt war, schrieb auf ein darin mittig geheftetes Blatt die “persönlichen” Lottozahlen auf und verabschiedete sich mit der Forderung nach 10.- DM, weil der Nächste bereits nervös von einem Fuß auf den anderen tretend hinter einem wartete. Eine Vorhersage konnte man dem Meister, ohne Hellseher zu sein, selbst wohl bescheinigen: Er wurde immer reicher.
Apropos: Hellseher:
Zwei Hellseher treffen sich. Sagt der Eine:”Dir geht es gut und wie geht es mir?”
Der nächste Versuch, auch meistens auf Kirmes oder Jahrmärkten, war die Wahrsagerin mit der Kristallkugel.
Sie gab sich nicht, wie Kaminski, der staunenden Öffentlichkeit zur Beobachtung frei, sondern versteckte sich geheimnisvoll in einer geschlossenen Bude, die mit einem schweren, dunklen Samtvorhang geschützt war.
Man konnte nicht anklopfen, sondern mußte sich per Ruf bei ihr anmelden und sie bat einen dann, falls kein anderer Kunde bei ihr weilte, hereinzukommen.
Die Beleuchtung bestand nur aus zwei Kerzen, die den kleinen Raum gerade soweit beleuchteten, daß man die geheimnisvolle Dame schemenhaft hinter einem kleinen runden Tisch wahrnehmen konnte und sich, nach ihrer Aufforderung, Platz zu nehmen, nicht neben den bereitgestellten Hocker setzte.
Auf dem Tisch selbst erkannte man dann unschwer das wichtigste Utensil einer solchen Person – die Kristallkugel.
Nachdem sich die Augen so langsam an die schummerige Dunkelheit gewöhnt hatten, sah man gegenüber genau das, was man auch erwartet hatte:
Eine ältere Frau mit dünnen, grauen Haarsträhnen, die unter einem Piratenkopftuch herausquollen, billige, riesige Ohrringe, ein faltiges Gesicht mit der typischen Hakennase und Glubschaugen, die einen aufgrund der Dunkelheit mit großen schwarzen Pupillen taxierten.
Selbst die schnarrende Stimme war so authentisch, dass man Angst hatte, sie würde einen ein Stück Lebkuchen reichen und fragen:”Hänsel, wo ist Gretel?”
Auch bei ihr durfte man zunächst keine Fragen stellen, sondern mußte warten, bis sie sich nach etwa fünfminütigem Blick in ihre Glaskugel, bequemte zu erwähnen, das alles gut würde.
Natürlich vergaß sie nicht, das es in der Vergangenheit das ein oder andere Problemchen gegeben haben mußte, was aber in Ordnung kommt.
Nun – genau das will man ja wissen (warum sitzt man sonst hier?). Ist schon beruhigend, wenn man endlich weiß, das alles klappt in Zukunft.
Was soll ich sagen, Toni?
Diese Frau war um Einiges teurer, als Kaminski, obwohl das Gleiche dabei rauskam. Aber bei ihr mußte man wohl das Outfit und das etwas magischere Interieur mitfinanzieren.

Forstgarten ( © J.Reintjes)
Der Klassiker in Sachen Hellsehen und Wahrsagen war vor einigen Jahren in Klever Landen unzweifelhaft die bekannte und beliebte Frau Lünendonk, die mit geradezu unfassbaren Erfolgen sogar über die niederrheinischen Grenzen hinaus bekannt wurde.
Natürlich ließ auch ich es mir seinerzeit nicht nehmen, dieser Frau meine Aufwartung zu machen, um von ihr alles über mein künftiges Schicksal zu erfahren.
Diese Grand Dame war um Einiges glaubwürdiger und letztendlich auch einschüchternder, als Kaminski oder Lady Kristallkugel.
Sie hatte die seltene Gabe, bei einer Sitzung zunächst einmal über die Vergangenheit ihres Besuchers zu plaudern.
Was soll ich sagen, Toni?
Die Frau wußte Sachen aus meinem Leben, die so intim waren, daß es eigentlich unmöglich zu verstehen war, woher sie diese Fakten haben konnte.
Aus Respekt und großer Ehrfurcht vor den Fähigkeiten dieser Legende möchte ich nicht weiter darauf eingehen, nur soviel:
Sie lag mit ihren Vorhersagen, mein weiteres Leben betreffend, fast in allen Bereichen richtig. Dabei ließ sie mich eigentlich nichts weiter machen, als ihr mein Geburtsdatum zu nennen und dann mit meiner flachen Hand auf einen von ihr vor mir ausgebreiteten Kartenstapel zu schlagen. Im Nachhinein mehr als genial.
Dabei überließ sie es jedem Besucher, selbst zu entscheiden, was ihm die Beratung wert war, denn sie spendete dieses Geld.
Seit dieser Zeit bin ich der festen Überzeugung, dass es Übersinnliches gibt, obwohl 99,99% davon sicher Scharlatanerie sein dürfte.
Ein Hellseher, der bei dem Klingeln an seiner Haustür ausruft:”Wer ist da?” hat seine Glaubwürdigkeit schon verwirkt.
Selbstverständlich habe ich mir auch Tarot-Karten zugelegt und die Zusammenstellungen, Konstellationen, Bedeutungen, etc. angelesen, bin aber zu dem Schluß gekommen, dass die Karten nur schöne Bilder darstellen, aber mit der Hellseherei nichts zu tun haben, wie es uns mittlerweile hunderte von gefrusteten Hausfrauen im Fernehen weismachen wollen.
Natürlich hat auch der größte Scharlatan mal einen Treffer dabei, aber ehrlich gemeint ist das alles wohl nicht, wenn man dieses Summen dafür auf den Tisch legen muß, die teilweise ausgerufen werden.
Geschickt vermischt wird das Ganze dann noch mit chinesischen, indianischen und was für noch Horoskopen, wovon ich demnächst mal berichten werde.
Nur soviel dazu: Ich bin überhaupt nicht abergläubisch, das könnte Pech bringen.
Ein bisschen würde ich trotzdem schon gerne in die Zukunft schauen wollen, um zu wissen, was an Neuem so auf uns zukommt, welche neuen Erfindungen, Innovationen, Ereignisse und so weiter uns bevorstehen.
Demnächst – das weiß ich, weil ich auch dafür arbeite – wirst Du Einiges in diesem Sinne hier erfahren:
Das wäre deshalb so wichtig, weil man dann die entsprechende Werbung dafür schon vorbereiten könnte.
So, jetzt muss ich aber schnell mit Püppi zum Wochenmarkt und ein bissken Einkaufen in Kleve.
Dazu natürlich hier noch Einer für Dich zum Schmunzeln, Toni:
Frieda geht über den Wochenmarkt und will an einem Gemüsestand wissen:”Sind das deutsche oder holländische Tomaten?” Darauf der Händler mürrisch:”Möchten Sie die Tomaten essen oder wollen Sie mit ihnen sprechen?”
Komm – schnell noch einer:
Beim Bekleidungsstand:”Mit einer kleinen Änderung würde ich dieses Kleid gerne kaufen.” – “Und was soll geändert werden, gnädige Frau?” – “Der Preis!”
Ek säch dann ma schüss, wa. Bess määrge off so.