Läck de Söck därr, Toni!
Letzte Tage saß ich mit meinem Geschäftskumpel Klaus zusammen, als seine Frau frisch frisiert vom Frisör kam mit neuem Styling. Klaus blickte kurz hoch und meinte:
“Du siehst aus wie ein Pilz.”
Glücklicherweise besitzt seine Frau eine ruhige Natur und nimmt nicht alles so ernst, sonst hätte ich mich in diesem Moment schleunigst in Deckung geworfen.
Es ist und war immer schon schwierig, sich auf neue Dinge einzustellen. Der Mensch folgt in der Regel dem physikalischen Gesetz: Ein Körper sucht immer die Ruhelage.
Plötzliche Änderungen im normal üblichen Tagesablauf wirken grundsätzlich störend und geben Anlass zum Nörgeln und Jammern. Man hätte immer gerne alles am liebsten so wie es ist. Denk nur mal an die gute alte D-Mark. Die hätten die meisten Leute immer noch gerne zurück. (Ich gehöre leider auch dazu.)
“Lott min in Röst mett denn ganze neijmodische Kroom.”
Übersetzung: “Laß mich in Ruhe mit der ganze neumodische Krempel.” hört man dann in solchen Fällen.
Nun, Toni – plötzliche, schicksalhafte und wichtige Ereignisse zwingen einen im Laufe seines Lebens immer wieder, sich neu zu orientieren, sich umzustellen und seine eingetretenen Pfade zu verlassen, um dem Lauf der Dinge nachzugeben.
Auch beim Einkaufen in Kleve muss man sich in so manche Neuerung ergeben, um Schritt zu halten. Wir werden mit Handyläden, Backfirmen, Einkaufscentren, Spielanbietern und Coffeeshops leben müssen. Der Einzelhandel ist einem stetigen Wandel unterworfen und muss sich den neuen Lebensgefühlen und Lebensgewohnheiten fügen müssen.
Tante Emma sitzt längst schon an der Kasse des Supermarktes und Kinder spielen nicht mehr Räuber und Gendarm im heimischen Wald, sondern bestreiten virtuelle Schlachten mit Gleichgesinnten aus der ganzen Welt im Cyberspace, also dem Internet.
Nur noch wenige Dinge sind so geblieben, wie sie immer schon waren:
Vom zu vielen Essen und Trinken nimmt man zu und von Sport und Bewegung nimmt man ab. Allerdings haben sich auch da die Voraussetzungen und Gegenmittel wesentlich verändert.
Jeder kennt mittlerweile den Jojo-Effekt und die meisten haben ihn auch bereits am eigenen Leib erleben müssen. Fünf Kilo runter und dann acht Kilo wieder drauf. Scheiße!
Was soll ich sagen, Toni?
Der beste und sicherste Weg ist immer noch Bewegung, auch wenn der innere Schweinehund permanent quält und alles unternimmt, um einen umzustimmen. Gesundheit und Wohlbefinden fängt mit regelmäßiger Bewegung an. Um es auf den Punkt zu bringen: Training und Sport.

Wasserspiele (© J.Reintjes)
Als erstes sucht man sich auch für diesen unbequemen Fall die Sportarten aus, die den Tagesablauf nur unwesentlich stören, wie Skat, Schach oder im Ernstfall mal ums Haus spazieren gehen. MauMau geht auch noch. (hihi)
Leider stellt man sehr schnell fest, dass dies zwar das Gewissen einigermaßen beruhigt, allerdings nicht die Lösung des eigentlichen Problems ist.
Also doch Sportstudio. Nützt alles nix. Die althergebrachte “Muckibude” ist mittlerweile den chromglänzenden und unter permanenter fachlicher Aufsicht stehenden, gesundheitsbewußten und wellnessorientierten Schwitztempeln gewichen, die nun alles bieten, was dem potentiellen zukünftigen Sixpackträger entgegen kommen.
Da gibt es bei uns in Kleve nur eine Wahl:
Hinein ins Allround-Sports Zentrum für Prävention und Gesundheit in Kleve, direkt neben dem Kino.
Nachdem man dort durch ausgewiesenes Fachpersonal mit sämtlichen traurigen Fakten seines Unwohlseins konfrontiert wurde, wie Gewicht und Zentimeter (nicht Größe – nein Bauchumfang, Toni!) sowie Essgewohnheiten und sportliche Inaktivitäten, wird das individuelle Trainigsprogramm zusammen gestellt.
Man hört etwas von Ergometer, Rückenstrecker, Beinpresse oder anderen Geräten, die nur eines erahnen lassen: Schweiß lass nach. Man erfährt etwas über Latissimus (keine Heilpflanze), Bizeps, Trizeps oder den Sägemuskel, von dem die Meisten gar nicht wussten, dass der existiert.
Auch Spinning hat nichts mit verrückt werden zu tun, sondern presst den letzten Tropfen salziger Flüssigkeit aus den Körper. Tja, Toni – da könnten auch Tränen fließen. (Scherz)
Manni, mein Trainer, erklärt mir mit all seinem Fachwissen, was in meinem Körper passiert, während ich versuche, meine Haltung entsprechend seinen Vorschriften einzuhalten.
Was anfangs nach Quälerei und Plackerei geradezu riecht, mutiert verhältnismäßig schnell zu einer Art Körperkontrolle und Bewegung die tatsächlich dazu anregt, weiter zu machen. Denn auch die sprechende Waage bittet mich nicht mehr, das Reisegepäck zu entfernen, sondern klärt mich höflich darüber auf, dass mir wohl etwas aus der Tasche gefallen sein muss.
Insgesamt betrachtet muss man konstatieren, dass regelmäßige Besuche im Allround-Sports die Lebensqualität um Einiges verbessern. Man muss es nur durchziehen. Und das nehmen Püppi und ich uns jetzt ganz fest vor.
Und Toni…wennsse uns da mal in Aktion sehen wills, dann kommsse ma hier hin:
Vielleicht blickst Du dann geradewegs in mein vor Anstrengung verzerrtes Gesicht und lachst Dich kaputt über die Grimassen die ich dabei schneide. Aber keine Sorge – Du kommst auch dahin. Und dann kämpfen wir gemeinsam gegen das Eisen und fühlen uns anschließend fit und gesund, was auch der Hausarzt beschämend feststellen muss, der dann noch mehr nach irgend etwas sucht, das er mit ziemlicher Sicherheit findet. Und sei es nur die fehlende Grippeschutzimpfung.
Ek säch dann ma schüss, wa. Bess määrge off so.
