Läck de Söck därr, Toni!
Qualmst Du?
Ich war auch mal Raucher – in einem anderen Leben – aber habe durch diese Erfahrungen jedes Verständnis für Raucher, solange sie mir nicht die Bude vollqualmen, was bei uns ohnehin nicht erlaubt ist. Püppi würde eine Revolution anzetteln.
Manchmal steigt mir beim Einkaufen in Kleve dieser Duft in die Nase, der mich immer noch verleitet, genauer hinzuriechen (welch ein Quatsch – ist aber so).
Insbesondere fällt mir das auf, wenn es sich um Pfeifengeruch handelt, der ja eigentlich ganz angenehm und aromatisch duftet und wohl auch nicht so über die Lunge geraucht wird, sondern eher gepafft.
Schmooke än rooke es van daag niet so näs frugger, as denn Kauboy met sin päärd dörr den welde Westen stüüfte än die Fluppe in den Mondwenkel hange hat.
Übersetzung: (Schmauchen und Rauchen iss heute nich so wie früher, als der Kuhjunge mit sein Ferd durch der wilde Westen stöfferte und der Glimmstengel in der Mundwinkel hängen hatte.)
Apropos: Zigaretten:
An der Grenze beugt sich der Zollbeamte in das geöffnete Fenster des Wagens und fragt: “Alkohol, Zigaretten?”
Der Fahrer winkt ab: “Nein, bitte zwei Kaffee!”
Schaut man sich alte Filme an, so aus den 30er bis 70er Jahren, dann fällt einem auf, daß sich die Schauspieler grundsätzlich eine Zigarette anzünden, wenn sie die nicht schon im Mund haben. Meistens begleitet von einem Drink – vorzugsweise Whisky – den sie sich aus der immer gut gefüllten Hausbar einschenken.
Selbst Lucky Luke gibt es wohl nicht ohne das qualmende Teil im Mundwinkel.
Tja, Toni – damals war das obercool oder kannst Du Dir Humphrey Bogart ohne Zigarette vorstellen, bzw. John Wayne ohne den Griff in den Tabaksbeutel, um sich eine zu drehen?
Man ließ sich anstecken und begann zu rauchen, wie man es uns ja immer vormachte.
Zunächst entschied man sich für eine Marke, die vor etlichen Jahren Güldenring, Juno, Orienta, Eckstein oder Overstolz hießen. Manche entschieden sich für Astor mit dem Korkfilter oder für Zenussi, die richtig arabisch daherkam.
Meistens waren es aber HB, Stuyvesant, Lord Extra, Ernte23, Marlboro oder Reval für die ganz Harten. Die Allerhärtesten griffen zu den französischen Gaulloise, von denen man eigentlich nur eine täglich vertragen konnte.
Natürlich richtete man sich auch auf die Raucherinnen ein und versorgte sie mit den dünnen Stengeln, wie Kim oder irgendwelche parfümierten Dinger.
Die ersten Hustereien und Keuchereien versuchte man zu überspielen, denn man wollte ja dazu gehören, bis man feststellte, das da im Grunde genommen gar nichts dran war.
Es war eigentlich viel zu teuer, zu ungesund, zu lästig (die ewige Suche nach einem Aschenbecher), zu stinkig und zu störend für Nichtraucher, die ja auch hin und wieder zum Bekanntenkreis gehörten und immer die Nase rümpften ob der regelmäßigen Einnebelungen bis zum Tränenfluss.
Schön waren dann die Nichtraucherecken, die überall entstanden. Man wurde weiser.
Also reifte dann endlich der Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören und man überlegte sich die richtige Taktik, wie man aus der Nummer am Schnellsten und vor allem – am bequemsten wieder herauskommt.

Frühling naht ( © J.Reintjes)
Hilfreich – so glaubte man – wäre das Umsteigen von Zigaretten auf Zigarren, weil die nicht so zahlreich angezündet wurden, da sie ja viel länger brauchten, um zur Kippe zu werden. Als Zusatzgerät mußte man sich allerdings einen Spitzenschneider zulegen – abbeissen war verpöhnt.
Doch die mächtige Rauchentwicklung und die Tatsache, dass ein Lungenzug mit einer dicken Havanna nicht so lustig war, veranlasste einen schnell, auf kleinere und dünnere Zigärrchen umzusteigen.
Da kamen Tiparrillos gerade recht. Kleine Zigarren, die fast schon wieder Zigaretten waren, hätten sie nur eine Papierummantelung gehabt. Richtig geschmeckt haben die allerdings nie.
Also – etwas anderes versuchen.
Man wandte sich dem Pfeifenrauchen zu, kaufte eine Meerschaumpfeife oder Ähnliches, ein Pfeifenbesteck, Pfeifenreiniger, ein entsprechendes Feuerzeug, ein Etui und war erst mal soviel Geld los, das man sich den entsprechenden Tabak erst zwei Wochen später leisten konnte.
Tja, Toni, was soll ich sagen?
Es duftete unglaublich gut und aromatisch. Der Tabak war mal mit Vanille, mal mit Rum versetzt (so sparte man sich den Alkohol). Aber die Arbeit!
Vom fachgerechten Tabak stopfen über das ewige Nachstopfen bis hin zum permanenten Nach-Anzünden, Auskratzen und was sonst noch, artete das Pfeifenrauchen geradezu in Arbeit aus.
Und dann das Reinigen.
Hast Du schon mal eine Pfeife gereinigt, Toni?
Dann kennst Du diesen ekelhaften braunschwarzen, furchtbar stinkenden, Übelkeit erregenden Schleim, den man mit speziellen Pfeifenreinigern entsorgen mußte, bevor er beim Rauchen mit eingesogen wurde. Bah pfui!
Also wurde eine letzte Friedenspfeife geschmaucht und das Teil dann in einem dazugehörigen Ständer ins Bücherregal entsorgt, aus dem es dann irgendwann verschwunden war. Ins Museum?
Na ja, jedenfalls ging es wieder ans Drehen – war ja mal in – mit den holländischen Spezialsorten Drum, Samson, Van Nelle und wie sie sonst noch heißen.
Dabei gab es regelrechte Virtuosen, die mit einer Hand in der Tasche eine tadellos gefertigte Zigarette herauszauberten, genauso wie die Dreher mit den zwei linken Händen, bei denen nach dem Anlecken des Papierchens und vor dem Anzünden des Gesamtkunstwerkes, der Tabak komplett wieder herausfiel.
Der letzte Versuch war dann ein kleines Maschinchen, in das man Tabak gab, eine vorgefertigte Papierhülse mit eingebautem Filter schob und ratsch, ratsch, war die Zigarette fertig.
Manche Zeitgenossen brachten es pro Tag auf einige Hundert Stück im voraus.
Allerdings half dies alles nicht, um die lästige Qualmerei endlich aufzugeben.
Nun versuchte man es schlicht und einfach damit, weniger zu rauchen, was sich spätestens bei der nächsten Party relativierte.
Auch der gute Vorsatz zum neuen Jahr hielt in den meisten Fällen lediglich bis kurz nach Mitternacht.
Ich persönlich konnte den entscheidenden Schritt eigentlich recht unspektakulär vollziehen.
Ek säij tege min eiges: “Hört op te schmooke, dann köw wer noar bütte goon on de fresse Luft, öm se te schnappe.”
Übersetzung: (Ich sachte zu mich selber: “Hör ma auf zu schmauchen, dann kannste wieder nach draußen gehen an die frische Luft, um sie zu schnappen.”)
Nachdem ich mir nach einer Geburtstagsfeier vor etwa 20 Jahren eine Zigarette angezündet hatte, zeigte ich sie Püppi, machte sie aus und stellte fest: “Dies war meine Letzte!”
Was soll ich sagen, Toni?
Es war in der Tat bis zum heutigen Tag die letzte Zigarette, die ich in Händen hielt – einfach so – ohne irgendwelche vermuteten Entzugserscheinungen.
Klar, seit dieser Zeit habe ich an Gewicht gewonnen, aber die Lunge arbeitet wieder einwandfrei und mein Geruchssinn ist sehr sensibel geworden.
Wenn man heutzutage allerdings nicht am gepflegten Rauch vorbeikommt, dann greift der Genießer und der Experte zu den ganz edlen und teuren Zigarren.
Vor allem die handgefertigten aus Kuba erfreuen sich da besonderer Beliebtheit, seien es Romeo und Juliet, Montecristo oder die besonders exklusiven und kostspieligen Cohiba, die das Herz eines Zigarristen besonders erfreuen.
Nun – klar, die bekommt man nicht an jeder Ecke, sondern nur in ausgesuchten Fachgeschäften, von denen wir in Kleve über ein besonders Edles verfügen:
Hier kommt der Raucher – egal welches Schmauchen er bevorzugt – voll auf seine Kosten und findet eine fantastische Auswahl an Allem, was ihn glücklich macht.
Apropos: Mit dem Rauchen aufhören:
Ein Mann kommt in eine Drogerie und verlangt eine Packung Kondome. Nachdem er bezahlt hat, wirft er die einzelnen Verhüterli auf den Boden und trampelt wild darauf rum. Die entsetzte Verkäuferin:”Was machen denn Sie da?” – Der Mann: “Genau so habe ich mir auch das Rauchen abgewöhnt.”
Ek säch dann ma schüss, wa. Bess määrge off so.
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